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IS-Funktion
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Die IS-Funktion (auch IS-Gleichung oder IS-Kurve genannt) ist ein volkswirtschaftliches Modell der Makroökonomie. Sie stellt die Menge aller Kombinationen von Zinssatz und Volkseinkommen dar, bei denen ein Gleichgewicht auf dem GĂŒtermarkt besteht. Zusammen mit der LM-Funktion konstruiert sie das IS-LM-Modell, welche die wichtigste Interpretation der Keynesschen Theorie darstellt.cite-ref-1[1]

Die IS-Gleichung ist eines der wichtigsten makroökonomischen Analyseinstrumente. Sie ist erforderlich fĂŒr die Konstruktion des Keynes-Modells und des Mundell-Fleming-Modells.cite-ref-2[2]

In einer geschlossenen Volkswirtschaft bedeutet dies, dass die Investitionen ( I {\displaystyle I} ) gleich den Ersparnissen ( S {\displaystyle S} ) sind, wobei der Ausdruck in einer offenen Volkswirtschaft das Einkommen bzw. die Produktion ( Y {\displaystyle Y} ) der GĂŒternachfrage ( Z {\displaystyle Z} ) gleichsetzt.

Contents

‱ Grundlagen
‱ Sparvolumen
‱ Steigung
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Grundlagen

Wegen Y = C + S {\displaystyle Y=C+S} und Y = C + I {\displaystyle Y=C+I} erhalten wir die IdentitĂ€tsgleichung S = I {\displaystyle S=I} , die volkswirtschaftliche Ersparnis ist also stets mit der Nettoinvestition identisch. Bei Ersparnis und Investition handelt es sich um eine Tautologie, weil der Kapitalstock einer Ökonomie um die Nettoinvestition wĂ€chst und genau dieses Wachstum des Kapitalstocks die Ersparnis darstellt. Die Nettoinvestition ist mit der Ersparnis der Ökonomie identisch.

Ein Gleichgewicht auf dem GĂŒtermarkt erhalten wir unter der Bedingung, dass die geplante Ersparnis mit der geplanten Investition ĂŒbereinstimmt. Es kann also sein, dass die Investition zu einer höheren oder geringeren als der geplanten Ersparnis gefĂŒhrt hat oder dass die GĂŒternachfrage einen ungeplanten Aufbau oder Abbau von Lagerbestand und damit ungewollte Investition oder Desinvestition zur Folge hatte. Die immer identischen Investitionen und Ersparnisse in einem Zeitraum können ungeplante und ungewĂŒnschte Bestandteile enthalten, so dass der GĂŒtermarkt nicht im Gleichgewicht ist, weil die Investoren und Sparer ihre Dispositionen anschließend entsprechend Ă€ndern werden.

Ob der GĂŒtermarkt tatsĂ€chlich in einem Gleichgewicht ist und die geplante Investition mit der freiwilligen Ersparnis genau ĂŒbereinstimmt, lĂ€sst sich niemals objektiv feststellen. Man kann nur mit Annahmen ĂŒber die ZinsabhĂ€ngigkeit der geplanten Investition und die EinkommensabhĂ€ngigkeit der freiwilligen Ersparnis behaupten, dass bei einer bestimmten Kombination von Zins und Einkommen ein Gleichgewicht des GĂŒtermarkts vorliegen wĂŒrde.

Anwendungsbeispiele

Wie jedes Modell stellen das Keynes-Modell und das Mundell-Fleming-Modell eine Vereinfachung der Wirklichkeit dar. Mit ihrer Hilfe lassen sich ökonomische ZusammenhÀnge und Prozesse darstellen.

Die IS-Funktion wird genutzt, um die Wechselbeziehungen der Faktoren auf dem GĂŒtermarkt zu erlĂ€utern. Vorwiegend findet man sie im Zusammenhang mit den Auswirkungen politischer Entscheidungen sowie Einkommens- und ZinsverĂ€nderungen auf dem GĂŒtermarkt, z. B. wie sich durch die Senkung der Steuern das IS-LM Modell verĂ€ndert.

Mathematische Herleitung

ZunĂ€chst wird die Herleitung der IS-Funktion in einer geschlossenen Volkswirtschaft dargestellt, in der ein Außenhandel fehlt. Es wird also angenommen, dass es weder Exporte noch Importe gibt.

Wie schon an vorhergehender Stelle erwĂ€hnt, wird das Gleichgewicht auf dem GĂŒtermarkt in einer geschlossenen Volkswirtschaft mit ausgeglichenem Staatshaushalt dargestellt, indem die Investition und das private Sparen gleichgesetzt werden:cite-ref-gleichung-3-0[3]

I ( i ) = S ( Y ) {\displaystyle I(i)=S(Y)}

mit

I {\displaystyle I} = Investition
i {\displaystyle i} = Zinssatz
S {\displaystyle S} = Sparen
Y {\displaystyle Y} = Einkommen

Investitionskurve

Um die Beziehung zwischen Zinssatz und Investition in das Modell einzubeziehen, wird die AbhÀngigkeit I=I(i) verwendet (Abbildung 1). Die Investitionsfunktion wird wie folgt dargestellt:

I = I ¯ ¯ − − b i {\displaystyle I={\overline {I}}-bi}

mit

I ÂŻ ÂŻ {\displaystyle {\overline {I}}} = autonome Investition
b {\displaystyle b} = ZinsreagibilitÀt

Die Variable I ¯ ¯ {\displaystyle {\overline {I}}} ist die Investition, die vom Einkommen und Zinssatz unabhÀngig ist.cite-ref-4[4]

Die Variable b ist das Maß, wie stark die Investitionen auf das Zinsniveau reagieren. Die Funktion kann fĂŒr jedes Zinsniveau den geplanten Investitionsbetrag zeigen. Formt man diese Formel nach i um, erhĂ€lt man die Funktion:cite-ref-5[5]

i = − − 1 b × × I + 1 b × × I ¯ ¯ {\displaystyle i=-{\frac {1}{b}}\times I+{\frac {1}{b}}\times {\overline {I}}} .
Zu beachten ist hier, dass es sich bei b und I ÂŻ ÂŻ {\displaystyle {\overline {I}}} um Konstanten, also fixe GrĂ¶ĂŸen handelt.

Sie entspricht der grafischen Darstellung in der Abbildung 1.

Eine hohe Variable b – gemeint ist eine starke Reaktion der Investitionen auf die ZinsverĂ€nderungen – fĂŒhrt zu einer flachen Kurvendarstellung. Schon geringe ZinsverĂ€nderungen fĂŒhren bei einer flachen Kurve zu starken VerĂ€nderungen des Investitionsvolumens. Die Steigung der Geraden betrĂ€gt -1/b. Sie beschreibt eine inverse Beziehung zwischen Investition und Zinsen. Ein Anheben der ZinssĂ€tze hat einen RĂŒckgang der Investitionen zur Folge. Weil der Zinssatz die Kosten der Investitionsfinanzierung darstellt, fĂŒhrt eine Zunahme des Zinssatzes zu einer Abnahme der Investitionen. Weiterhin lĂ€sst sich dadurch ableiten, dass eine negative Beziehung zwischen Zinssatz und Einkommensniveau auf dem GĂŒtermarkt besteht, d. h., insgesamt vermindert sich bei der Erhöhung des Zinssatzes das Gleichgewichtseinkommen.cite-ref-6[6]

WĂŒrde die Bank die Zinsen fĂŒr ihre Kredite erhöhen, hat das verschiedene Auswirkungen.

1. Die Investitionen (I) nehmen ab, weil der Kapitalstock nicht durch die Aufnahme neuer Kredite erhöht wird, d. h. es werden weniger Kredite aufgenommen.
2. Bei der Verminderung der Investitionen verringern sich die Gesamtausgaben. Dies fĂŒhrt zu einem geringeren Einkommensniveau.cite-ref-7[7]

Im Falle einer Verringerung des Zinssatzes wÀre der gegenteilige Effekt zu beobachten.

Sparvolumen

Das Sparvolumen wird definiert als:

S ≡ ≡ Y D − − C {\displaystyle S\equiv Y_{\text{D}}-C}

mit

Y D {\displaystyle Y_{\text{D}}} = verfĂŒgbare Einkommen
C {\displaystyle C} = Konsumausgaben der privaten Haushalte

Y D = Y − − T {\displaystyle Y_{\text{D}}=Y-T}

mit

T {\displaystyle T} = Steuern

In dieser Formel werden z. B. die Sozialversicherung und die Transferleistungen zu „0“ solidiert, d. h., sie werden nicht beachtet. Ein Praxisbeispiel ist die Entscheidung des Staates, die Steuern zu erhöhen. Diese Erhöhung bewirkt, dass dem Haushalt weniger Einkommen zur VerfĂŒgung steht und er weniger konsumieren kann.cite-ref-gleichung-3-1[3]

Das Sparvolumen kann somit als die Funktion:

S = Y − − T − − C {\displaystyle S=Y-T-C}

dargestellt werden. Nach der VerÀnderung der Formel hÀngt das Sparvolumen nicht nur von den Steuern, sondern auch von den Konsumausgaben der privaten Haushalte ab.

Gleichgewicht auf dem GĂŒtermarkt

Um nun zu der IS-Funktion zu gelangen, wird das Gleichgewicht auf dem GĂŒtermarkt dargestellt:

Y = Z {\displaystyle Y=Z}

mit

Y {\displaystyle Y} = Produktion
Z {\displaystyle Z} = GĂŒternachfrage

Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage kann beschrieben werden als die Summe der Investitionen, der Staatsausgaben und der Konsumnachfrage:

Z = C + I + G {\displaystyle Z=C+I+G}

mit

G {\displaystyle G} = Staatsausgaben

Bei einer geschlossenen Volkswirtschaft kann der Außenbeitrag vernachlĂ€ssigt werden.cite-ref-gleichung-3-2[3]

So ergibt sich:

Y = C + I + G {\displaystyle Y=C+I+G}

Ableitung der IS-Funktion

Durch das Umformen ( | -T | -C) erlangt man die Funktion:

Y − − T − − C = I + G − − T {\displaystyle Y-T-C=I+G-T}

An vorhergehender Stelle wurde der Term Y-T-C bereits als S definiert und erhÀlt nach dem Umformen ( | +T | -G):

I = S + ( T − − G ) {\displaystyle I=S+(T-G)}

Die einzelnen Variablen können wie folgt definiert werden:

S {\displaystyle S} = privates Sparen

( T − − G ) {\displaystyle (T-G)} = staatliches Sparen

Wenn das Staatsbudget ausgeglichen ist, kann die Gleichung vereinfacht als I = S {\displaystyle I=S} dargestellt werden.cite-ref-gleichung-3-3[3]

Gesamtwirtschaftliche ZusammenhÀnge der IS-Funktion

Beachtet werden muss weiterhin, dass Konsum und Sparentscheidung zusammenhĂ€ngen. Sobald der Haushalt bei seinem gegebenen verfĂŒgbaren Einkommen seinen Konsumplan festgelegt hat, werden ĂŒber die BudgetbeschrĂ€nkungen auch die Ersparnisse festgelegt. So wie das Konsumverhalten spezifiziert ist, ergibt sich fĂŒr das Sparverhalten:

S = Y − − T − − C {\displaystyle S=Y-T-C} ,

S = Y − − T − − c 0 − − c 1 ( Y − − T ) {\displaystyle S=Y-T-c_{0}-c_{1}(Y-T)} ,

mit

c 0 {\displaystyle c_{0}} = autonome Konsumquote
c 1 {\displaystyle c_{1}} = marginale Konsumquote

Durch Umformen erhÀlt man:

S = − − c 0 + ( 1 − − c 1 ) ( Y − − T ) {\displaystyle \ S=-c_{0}+(1-c_{1})(Y-T)}

Die Variable c 1 {\displaystyle c_{1}} gibt an, wie viel von dem verfĂŒgbaren Einkommen Y D {\displaystyle Y_{D}} oder ( Y − − T ) {\displaystyle (Y-T)} konsumiert wird. Die Variable c 1 {\displaystyle c_{1}} kann als Konsumneigung interpretiert werden, so kann der gegenteilige Ausdruck ( 1 − − c 1 ) {\displaystyle (1-c_{1})} als Sparneigung bezeichnet werden. Sie gibt an, wie viel ein Konsument bereit ist von einer zusĂ€tzlichen Einheit Einkommen zu sparen. Weil fĂŒr die Konsumneigung angenommen wird 0 < c 1 < 1 {\displaystyle 0<c_{1}<1} , liegt der Wert der Sparneigung zwischen null und eins. Weiterhin kann man sagen, dass die privaten Ersparnisse (Y-T) nur im Umfang von ( 1 − − c 1 ) < 1 {\displaystyle (1-c_{1})<1} steigen können.cite-ref-mathfkt-8-0[8]

Wird nun in die IS-Funktion I = S + ( T − − G ) {\displaystyle I=S+(T-G)} fĂŒr die privaten Ersparnisse der obere Ausdruck eingesetzt, ergibt sich:

I ¯ ¯ = − − c 0 + ( 1 − − c 1 ) ( Y − − T ) + ( T − − G ) {\displaystyle {\overline {I}}=-c_{0}+(1-c_{1})(Y-T)+(T-G)}

oder nach Einkommen aufgelöst:

Y = 1 1 − − c 1 ( c 0 + I ¯ ¯ + G − − c 1 T ) {\displaystyle Y={\frac {1}{1-c_{1}}}(c_{0}+{\overline {I}}+G-c_{1}T)} .

Diese Formel kann nun genutzt werden um das Sparparadoxon zu betrachten, welches von Keynes betont wurde. Entschließt sich der Konsument mehr zu sparen bei einem gegebenen Einkommen, d. h. c 1 {\displaystyle c_{1}} reduziert sich, so wird der Konsum vermindert und die Ersparnisse steigen an. Die obige Gleichung zeigt, dass das Gleichgewichtseinkommen zurĂŒckgeht. Die gesunkene Konsumnachfrage lĂ€sst wiederum die Produktion sinken. Die Konsumenten sparen nun bei jedem Einkommensniveau mehr, d. h. die Ersparnisse nehmen zu. Gleichzeitig sinkt das Einkommen, dadurch werden die Ersparnisse reduziert. Welchen Effekt hat diese VerĂ€nderung? Durch die Gleichgewichtsbedingung der Gleichung I=S+(T-G) wird deutlich, dass die Ersparnisse sich nicht Ă€ndern können, da G und T das Staatsbudget definieren und I unverĂ€ndert bleibt. Der Versuch des Konsumenten mehr zu sparen, fĂŒhrt dazu, dass die Produktion zurĂŒckgeht und somit die Ersparnisse gleich bleiben. Dieses Ergebnis wird als Sparparadoxon bezeichnet.cite-ref-mathfkt-8-1[8]

Grafische Herleitung

Die IS-Kurve stammt aus der Makroökonomie und stellt alle Kombinationen dar, bei denen Investition und Sparen ĂŒbereinstimmen, sodass ein Gleichgewicht auf dem GĂŒtermarkt entsteht. Zusammen mit der LM-Kurve dient sie zur Darstellung der Keynesianischen Theorie. Die LM-Kurve stellt hierbei das Gleichgewicht auf dem Geldmarkt dar. Werden beide Kurven zusammengefasst ergibt sich das IS-LM-Modell. Mit diesem Modell werden makroökonomische ZusammenhĂ€nge deutlich und Auswirkungen durch ZinsverĂ€nderungen oder staatliche Maßnahmen, wie z. B: Steuererhöhungen, erkennbar.

Voraussetzungen

Um die IS-Kurve darstellen und erlĂ€utern zu können, mĂŒssen vorab die Bestandteile der Kurve definiert werden. Die IS-Kurve ergibt sich durch das Gleichsetzen von Investition und Sparen (I=S). Diese AusfĂŒhrung muss allerdings noch erweitert werden, um die dahinter stehende Wirkungskette zu verstehen. Die Investitionen mĂŒssen um die ZinsabhĂ€ngigkeit ergĂ€nzt werden und das Sparen um die EinkommensabhĂ€ngigkeit. Somit ergibt sich folgende exaktere Darstellung der IS-Kurve: I(i)=S(Y). Die Investitionen im Modell werden zu 100 % ĂŒber den Markt finanziert. Das Geld muss daher aus den Sparleistungen der Haushalte kommen.

Im Falle eines variablen Zinses lĂ€sst sich fĂŒr jede Zinshöhe ein entsprechendes Einkommen feststellen. Dies sorgt dafĂŒr, dass I und S ĂŒbereinstimmen. Zusammenfassend lĂ€sst sich bei einer Zinserhöhung folgende Wirkungskette ableiten. Durch die steigenden Zinsen werden Investitionen kostspieliger.cite-ref-www-makroo-de-9-0[9] Dies hat zur Folge, dass die Nachfrage nach Investitionen sinkt.cite-ref-www-makroo-de-9-1[9] Dadurch wiederum wird ein kontraktiver Multiplikatorprozess ausgelöst und das Einkommen sinkt, was sich wiederum negativ auf das Sparverhalten auswirkt.cite-ref-www-makroo-de-9-2[9] Somit stehen Investitionen und Sparen wieder im Gleichgewicht. Diese AusfĂŒhrungen fĂŒhren zu folgendem Ergebnis:

‱ S = S ( Y ) {\displaystyle S=S{(Y)}} Sparleistung ist positiv vom Einkommen abhĂ€ngig.

‱ I = I ( i , r e ) {\displaystyle I=I{(i,r^{e})}} Investitionen sind negativ vom Zins abhĂ€ngig, jedoch ist die Investitionsmenge auch von den erwarteten ErtrĂ€gen abhĂ€ngig.

Die IS-Kurve lĂ€sst sich anhand von zwei möglichen Wegen erlĂ€utern: zum einen durch das Vier-Quadranten-Schema (aus Kapitalsicht) und zum anderen ausgehend von der gesamtwirtschaftlichen Nachfragekurve (aus GĂŒtersicht).

Ableitung der IS-Kurve aus der gesamtwirtschaftlichen Nachfragekurve

Ausgangspunkt ist die grafische und mathematische Darstellung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage (AD) einer geschlossenen Volkswirtschaft, mit einem Gleichgewicht im Punkt A. Auf der erkennbaren 45°- Linie ist die Gleichgewichtsbedingung erfĂŒllt, d. h. AD=Y.

Allgemein setzt sich die Nachfragefunktion wie folgt zusammen (ausgehend von einer geschlossenen Volkswirtschaft): A D = C + I + G {\displaystyle AD=C+I+G} . Diese Formel lĂ€sst sich jedoch noch konkretisieren. Die Variable G {\displaystyle G} steht fĂŒr die Staatsausgaben. Der Konsum schlĂŒsselt sich in C = c 0 + c 1 ( Y − − T ) {\displaystyle C=c_{0}+c_{1}(Y-T)} auf, mit folgender Bedeutung der Variablen:

C {\displaystyle C} : Konsum
c 0 {\displaystyle c_{0}} : autonomer Konsum
c 1 {\displaystyle c_{1}} : marginale Konsumquote
Y {\displaystyle Y} : Einkommen
T {\displaystyle T} : Steuern

Die Investitionen zerlegen sich in I=ÄȘ-bi, mit den Variablen:

‱ I: von Unternehmen getĂ€tigte Investitionen
‱ ÄȘ: autonome Investitionen (d. h.: vom Zinsniveau und Einkommen unabhĂ€ngig)
‱ b: Maß, wie stark die Investitionen auf das Zinsniveau reagieren (ZinsreagibilitĂ€t)
‱ i: Zinsniveau

Es ergibt sich die Nachfragefunktion: AD= c0+c1(Y-T)+ÄȘ-bi+G.

Die folgende Grafik zeigt zwei AD-Kurven, jeweils fĂŒr zwei unterschiedliche Zinsniveaus (Zinsniveau i'>i). Durch den Zinsanstieg geht fĂŒr jedes Produktionsniveau die Nachfrage nach Investitionen und somit auch die Produktion zurĂŒck. Daraus resultiert ein EinkommensrĂŒckgang und ein RĂŒckgang vom Konsum. Aufgrund des Multiplikatoreffekts ist der GesamtrĂŒckgang der Investitionen viel grĂ¶ĂŸer als der RĂŒckgang der Investitionen durch den Zinsanstieg.cite-ref-blanchard-o-illing-g-makro-konomie-3-auflage-pearson-studium-s-142-10-0[10]

Anhand dieser Verschiebung der AD-Kurve wird nun die IS-Kurve abgeleitet. HierfĂŒr wird zuerst der Gleichgewichtspunkt A (mit einem entsprechenden Einkommen und einem gegebenen Zinssatz) in das IS-Diagramm ĂŒbertragen. Nach der eben erlĂ€uterten Zinserhöhung wird nun wiederum der neue, daraus entstehende, Zins-/Einkommenpunkt in das IS-Diagramm ĂŒbertragen. Werden beide Punkte miteinander verbunden, ergibt sich die IS-Kurve.

Das Vier-Quadranten-Schema

Eine etwas komplexere und aufwendigere Herleitungsmöglichkeit ist das Vier-Quadranten-Schema, anhand dieser Grafik:

Die IS-Kurve wird geometrisch im ersten Quadranten ermittelt. HierfĂŒr wird zum einen die Investitionskurve im zweiten Quadranten und zum anderen die Sparkurve im vierten Quadranten hinzugezogen. Der dritte Quadrant zeigt die Gleichgewichtsbedingung I = S {\displaystyle I=S} , die auf der Winkelhalbierenden immer erfĂŒllt ist.cite-ref-www-makroo-de-9-3[9] Die Sparfunktion setzt sich aus Sparen und Einkommen zusammen, wobei das Sparen positiv vom Einkommen abhĂ€ngig ist. Je mehr vom verfĂŒgbaren Einkommen (nach Abzug der Steuern und des Konsums) noch vorhanden ist, desto mehr wird gespart ( S = Y − − T − − C {\displaystyle S=Y-T-C} ). Die Investitionsfunktion besteht aus Zins und Investitionen. Je höher die Zinsen sind, desto weniger wird investiert. Anhand dieser Funktionen lĂ€sst sich zusammenfassend die IS-Kurve und die damit einhergehende Wirkungskette erklĂ€ren. Im Falle eines steigenden Zinses sinkt die Nachfrage nach Investitionen. Durch den dadurch entstehenden ProduktionsrĂŒckgang sinken auch das Einkommen und das Sparen. Somit ist die Gleichung der IS-Kurve wieder erfĂŒllt ( I ( i ) = S ( Y ) {\displaystyle I(i)=S(Y)} ).

Steigung

Die IS-Kurve hat eine negative Steigung, da bei einer Erhöhung des Zinssatzes (+) das Einkommen sinkt (-): Die Unternehmen fragen weniger Kapital nach, produzieren dadurch weniger GĂŒter und zahlen den Haushalten daher weniger Einkommen.

Da der Zinssatz meist als unbeeinflussbar angesehen wird, hĂ€ngt der Wert der Steigung und damit die Höhe des Einkommens von der ZinselastizitĂ€t der Investitionsnachfrage ab. Diese GrĂ¶ĂŸe gibt an, wie stark sich eine prozentuale Änderung am Zinssatz prozentual auf die Nachfrage nach InvestitionsgĂŒtern auswirkt.

Je elastischer (stĂ€rker) die Nachfrage nach InvestitionsgĂŒtern auf ZinssatzĂ€nderungen reagiert, desto flacher verlĂ€uft die Kurve bis hin zur Waagrechten bei vollkommener ElastizitĂ€t. Das andere Extrem ist eine vollkommen unelastische ElastizitĂ€t, die zu einer senkrechten IS-Kurve fĂŒhrt.

Verschiebung der IS-Kurve

Ausgehend von der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage kann sehr gut eine mögliche Verschiebung der IS-Kurve verdeutlicht werden. Bisher wurde die IS-Kurve bei gegebenen Steuern T und bei gegebenen Staatsausgaben G dargestellt. Zinsbedingte VerĂ€nderungen schlugen sich lediglich im Verlauf der Kurve nieder. Wird nun eine dieser zinsunabhĂ€ngigen NachfragegrĂ¶ĂŸen verĂ€ndert, fĂŒhrt dies zu einer Verschiebung.

Folgende Grafik verdeutlicht diesen Vorgang:

Ausgangspunkt ist die IS-Kurve bei gegebenen T und G.

Untersucht wird die Verschiebung bei einer Steuererhöhung von T auf T’. Das Einkommen und der Konsum nimmt infolgedessen ab (bei gegebenen Zins). Es ergibt sich ein RĂŒckgang der GĂŒternachfrage und damit auch ein RĂŒckgang des Gleichgewichtseinkommens. Grafisch verschiebt sich die IS-Kurve dadurch nach links.

Zu gleichem Ergebnis wĂŒrde ein RĂŒckgang der Staatsausgaben oder ein Verlust an Konsumentenvertrauen fĂŒhren.

Ein gegenteiliger Effekt ergibt sich aus Steuersenkungen, einer Erhöhung der Staatsausgaben oder einem Zuwachs an Konsumentenvertrauen. Bei allen drei Faktoren wĂŒrde das Gleichgewichtseinkommen steigen und die IS-Kurve wĂŒrde sich infolgedessen nach rechts verschieben (bei gegebenen Zins).cite-ref-blanchard-o-illing-g-makro-konomie-3-auflage-pearson-studium-s-144-11-0[11]

Wirkung der Geld- und Fiskalpolitik auf die IS-Funktion

Anhand folgender Tabelle soll der Bezug zur Praxis der Fiskalpolitik einer Regierung dargestellt werden.cite-ref-12[12]

| Maßnahmen/Ereignis | Maßnahmen/Ereignis | Variablenfluss | IS-Funktion Wirkung | IS-Kurven VerĂ€nderung |
|---|---|---|---|---|
| Fiskalpolitik | Steuererhöhung | T steigt | I und Y sinken 2 | Nach links |
| Fiskalpolitik | Steuersenkung | T sinkt | I und Y steigen 1 | Nach rechts |
| Fiskalpolitik | Anstieg der Staatsausgaben | G steigt | I und Y steigen 1 | Nach rechts |
| Fiskalpolitik | RĂŒckgang der Staatsausgaben | G sinkt | I und Y sinken 2 | Nach links |
| Geldpolitik | Anstieg der Geldmenge | Kein Einfluss auf IS-Variablen | Kein Einfluss | Kein Einfluss |
| Geldpolitik | RĂŒckgang der Geldmenge | Kein Einfluss auf IS-Variablen | Kein Einfluss | Kein Einfluss |

1 {\displaystyle ^{1}} Eine Erhöhung der Staatsausgaben bzw. eine Steuersenkung erhöht zu jedem Niveau des Zinssatzes die Nachfrage. Es herrscht eine Überschussnachfrage nach GĂŒtern. Mit der Erhöhung von „Y“ steigt der Zinssatz, da die Einkommensexpansion die Geldnachfrage erhöht.cite-ref-13[13]

2 {\displaystyle ^{2}} Spiegelt den umgekehrten Effekt.

IS-Funktion in einer offenen Volkswirtschaft

Wenn die Handelsbeziehungen mit dem Rest der Welt ignoriert werden, braucht man nicht zwischen der inlĂ€ndischen GĂŒternachfrage und der Nachfrage nach inlĂ€ndischen GĂŒtern zu unterscheiden. Jedoch entfĂ€llt in der Praxis ein Teil der inlĂ€ndischen Nachfrage auf auslĂ€ndische GĂŒter und ein Teil der Nachfrage nach inlĂ€ndischen GĂŒtern kommt aus dem Ausland. So ergibt sich als abgewandelte Nachfragefunktion nach inlĂ€ndischen GĂŒtern:cite-ref-14[14]

Z = C + I + G + X − − I M Ï” Ï” {\displaystyle Z=C+I+G+X-{\frac {IM}{\epsilon }}}

mit

X {\displaystyle X} = Nachfrage nach inlĂ€ndischen GĂŒtern
Ï” Ï” {\displaystyle \epsilon } = Preis inlĂ€ndischer GĂŒter in Einheiten auslĂ€ndischer GĂŒtercite-ref-is-funktion-15-0[15]

Die Terme C, I, G wurden im Abschnitt Mathematische Herleitung definiert. Sie spiegeln in einer geschlossenen Volkswirtschaft die inlĂ€ndische GĂŒternachfrage und gleichzeitig die Nachfrage nach inlĂ€ndischen GĂŒtern wider. Jetzt sind zwei weitere Terme hinzugefĂŒgt: X und IM(e). Die Variable X steht fĂŒr die Nachfrage nach inlĂ€ndischen GĂŒtern. Sie wird u. a. von der Produktion der restlichen Welt beeinflusst. Die Steigerung der auslĂ€ndischen Produktion fĂŒhrt zu einem Anstieg der inlĂ€ndischen Nachfrage nach allen GĂŒtern. Ein Teil der zusĂ€tzlichen Nachfrage entfĂ€llt hierbei auf die inlĂ€ndische GĂŒter, die Folge ist, dass der Export zunimmt.cite-ref-offene-vw-16-0[16]

Die Variable IM steht fĂŒr die Importmenge, d. h. sie beschreibt die Nachfrage nach auslĂ€ndischen GĂŒtern. IM hĂ€ngt u. a. von Y ab. Ein hohes Einkommen fĂŒhrt zu einem höheren Import.

Diese beiden Terme X und IM werden beeinflusst von dem Wechselkurs (e). Das Mundell-Fleming-Modell geht von starren Preisen aus, dadurch verhalten sich Änderungen des realen und des nominalen Wechselkurses proportional zueinander. Ein höherer nominaler Wechselkurs verbilligt die auslĂ€ndischen gegenĂŒber den inlĂ€ndischen GĂŒtern und dĂ€mpft somit den Export und stimuliert den Import. Umgekehrt verhielte es sich, wenn der nominale Wechselkurs niedriger wĂ€re. In einigen BĂŒchern wird X-IM(e) auch als NX(e), den Nettoexport, zusammengefasst.cite-ref-17[17]

Die Terme „I“,„C“ und „G“ brauchen kaum bzw. gar nicht angepasst zu werden, somit kann die Analyse der Variablen aus der geschlossenen Volkswirtschaft weiterverwendet werden. Die Entscheidungen der Konsumenten hĂ€ngen weiterhin von dem Einkommen sowie dem Vermögen ab. Auf das Niveau der Konsumausgaben wirkt sich die VerĂ€nderung nur sehr wenig aus.cite-ref-offene-vw-16-1[16]

Die VerĂ€nderungen der Wechselkurse durch die Zinsen werden von dem Mundell-Fleming-Modell erlĂ€utert. Wenn der heimische Zinssatz den Weltzins ĂŒbersteigt (Abbildung 3A), steigt der Wechselkurs dadurch, dass auslĂ€ndische Investoren versuchen, Vermögen im Inland anzulegen. Ebenso kann der umgekehrte Fall möglich sein, d. h. der inlĂ€ndische Zinssatz liegt unter dem Weltzins (Abbildung 3B) und inlĂ€ndische Investoren versuchen, im Ausland zu investieren, wodurch der inlĂ€ndische Wechselkurs nach unten korrigiert wird.cite-ref-18[18]

Literatur

‱ Olivier Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. 4. Auflage. Pearson Studium, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-8273-7209-7.
‱ Stanley Dornbusch, RĂŒdiger Fischer: Makroökonomik. 6. Auflage. Oldenbourg, MĂŒnchen 1995, ISBN 3-486-22800-5.
‱ N. Gregory Mankiw: Makroökonomie. Gabler, Lengerich/Westfalen 1993, ISBN 0-324-23695-6.
‱ Rolf Rettig, Dieter Voggenreiter: Makroökonomische Theorie. 6. Auflage. Werner-Verlag, DĂŒsseldorf 1996, ISBN 3-8041-3059-3.
‱ Bernhard Felderer, Stefan Homburg: Makroökonomik und neue Makroökonomik. Springer, 2005, ISBN 3-540-25020-4.
‱ Egon Görgens, Karlheinz Ruckriegel, Karl W. Giersberg: GrundzĂŒge der makroökonomischen Theorie. 4. Auflage. Bayreuth 1992, ISBN 3-925710-46-9.

Weblinks

‱ m@kro>online: Die IS-Kurve, 10. April 2008
‱ Ralf Wagner: Leitfaden Volkswirtschaftslehre, 10. April 2008

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ N. Gregory Mankiw, Makroökonomie, 1993, S. 314.
cite-note-22. ↑ Rolf Rettig/Dieter Voggenreiter, Makroökonomische Theorie, 1996, S. 153 f.
cite-note-gleichung-33. ↑ Olivier Blanchard/Gerhard Illing, Makroökonomie, 2006, S. 98 f.
cite-note-44. ↑ Stanley Dornbusch/RĂŒdiger Fischer, Makroökonomik, 1993, S. 109 f.
cite-note-55. ↑ Stanley Dornbusch/RĂŒdiger Fischer, Makroökonomik, 1993, S. 110.
cite-note-66. ↑ N. Gregory Mankiw, Makroökonomie, 1993, S. 324.
cite-note-77. ↑ N. Gregory Mankiw, Makroökonomie, 1993, S. 324 ff.
cite-note-mathfkt-88. ↑ Olivier Blanchard/Gerhard Illing, Makroökonomie, 2006, S. 99f.
cite-note-www-makroo-de-99. ↑ "www.makroo.de"
cite-note-blanchard-o-illing-g-makro-konomie-3-auflage-pearson-studium-s-142-1010. ↑ Olivier Blanchard/Gerhard Illing, Makroökonomie, 3. Auflage. Pearson Studium, 2006, S. 142.
cite-note-blanchard-o-illing-g-makro-konomie-3-auflage-pearson-studium-s-144-1111. ↑ Olivier Blanchard/Gerhard Illing, Makroökonomie, 3. Auflage, Pearson Studium, 2006, S. 144.
cite-note-1212. ↑ uni-freiburg, URL: http://www.vwl.uni-freiburg.de/fakultaet/fiwiII/alte%20seite/makro6.pdf Uni Freiburg, Das IS- und LM-Modell, vom 9. April 2008.
cite-note-1313. ↑ Stanley Dornbusch/RĂŒdiger Fischer, Makroökonomik, 1993, S. 155 f.
cite-note-1414. ↑ Olivier Blanchard/Gerhard Illing, Makroökonomie, 2006, S. 543.
cite-note-is-funktion-1515. ↑ Olivier Blanchard/Gerhard Illing, Makroökonomie, 4., aktual. und erweit. Auflage. Pearson Studium, MĂŒnchen, 2006, S. 540 ff.
cite-note-offene-vw-1616. ↑ Olivier Blanchard/Gerhard Illing, Makroökonomie, 2006, S. 541 f.
cite-note-1717. ↑ N. Gregory Mankiw, Makroökonomie, 1993, S. 237 ff.
cite-note-1818. ↑ N. Gregory Mankiw, Makroökonomie, 1993, S. 457.